Warum nach innen entwickeln?

Die Schweiz will der Zersiedelung Einhalt gebieten. So hat es das Stimmvolk 2013 mit der Annahme des revidierten Raumplanungsgesetzes RPG entschieden. Dieses Ziel ist nur über Verdichtung und Siedlungsentwicklung nach innen zu erreichen.

Die Siedlungsflächen in der Schweiz sind in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen. Dieser  Bodenverbrauch ging oft auf Kosten von Landwirtschaftsland bzw. Kulturland. Ein Grund für die Ausdehnung der Siedlungen ist die Bevölkerungszunahme. Die Siedlungsflächen wachsen jedoch rascher als die Bevölkerung, was nicht nachhaltig ist (Quelle: ARE). Seit dem 1. Mai 2014 ist das revidierte Raumplanungsgesetz in Kraft. Es verlangt die Siedlungsentwicklung nach innen.

Bund, Kantone und Gemeinden sorgen dafür, dass der Boden haushälterisch genutzt und das Baugebiet vom Nichtbaugebiet getrennt wird.
Bundesgesetz über die Raumplanung RPG, Art. 1 Ziele

Nachhaltige Raumplanung spart Boden

Unsere Dörfer und Städte sollen primär in den bereits als Bauzonen definierten Gebieten weiter gebaut werden. Noch nicht überbaute oder schlecht genutzte Parzellen in den Bauzonen sollen besser genutzt werden, bevor am Siedlungsrand neues Land als Baugebiet eingezont wird.

Bauzonen effizienter nutzen

Die Schweiz muss Industrie- und andere Brachen sowie die Baulücken zwischen den Gebäuden besser für Wohnraum und Arbeitsflächen nutzen. Heute noch sind auch viele Wohnquartiere wenig dicht gebaut, viele Häuser stehen einzeln da, sind niedrig und verbrauchen pro Kopf zu viel Boden. Also müssen wir auch manches Wohnquartier und insbesondere Einfamilienhausquartiere besser auszunutzen, so dass mehr Menschen auf der gleichen Fläche leben können. Das revidierte RPG will, dass wir enger zusammenrücken.

Siedlungsqualität gehört zur Verdichtung

«Dichtestress» ist aber unerwünscht. Das revidierte RPG verlangt nicht nur die Innenentwicklung, sondern auch, dass die Qualität der Quartiere, Dorfkerne und Areale besser wird. Sie sollen Lebensqualität aufweisen und öffentliche und halb-öffentliche Räume bieten, wo man sich trifft oder erholt. Solche Treffpunkte und Erholungsräume sind etwa öffentliche Plätze oder Grünflächen und Pärke in den Städten und Siedlungen. Die Raumplanung muss dafür sorgen, dass solche Orte erhalten oder neu geschaffen werden.

Lärm - und Ortsbildschutz gehören zur Siedlungsqualität

Mit der Siedlungsentwicklung nach innen, aber auch infolge der zunehmenden Mobilität und des Trends zur 24-Stunden-Gesellschaft erhält auch der Lärmschutz eine neue Brisanz. Denn wo es dicht ist, entsteht tendenziell mehr Lärm. Ruhe aber ist auch ein wichtiger Teil der Siedlungsqualität. Lärmschutz und Raumplanung sollen daher besser aufeinander abgestimmt werden.

Innenentwicklung tangiert auch den Schutz der Ortsbilder und der Denkmäler. Dieser sorgt dafür, dass unsere Ortskerne, historisch wertvolle Siedlungen, Gebäude und Aussenräume nicht zerstört werden. Innenentwicklung muss deshalb Rücksicht auf wertvolle bauliche Zeugen unserer Baukultur und Identität nehmen.

Innenentwicklung
Ohne Siedlungsqualität gelingt die Innenentwicklung nicht. Es braucht Frei- und Grünräume, wo Menschen sich treffen und erholen können.
Q & A
In der Rubrik «Fragen & Antworten» beantworten Fachleute der Raumplanung häufig gestellte Fragen im öffentlichen Diskurs zu Innenentwicklung und Verdichtung.