Siedlungsqualität schaffen

Das revidierte Raumplanungsgesetz (RGP), das am 1. Mai 2014 in Kraft trat, verlangt, dass Bund, Kantone und Gemeinden die Siedlungsentwicklung nach innen lenken, dies «unter Berücksichtigung einer angemessenen Wohnqualität». Sie sollen also kompakte Siedlungen schaffen, die aber auch Qualität aufweisen. In der Raumplanung spricht man von Siedlungsqualität.

Was die angestrebte Siedlungsqualität im Einzelnen ausmacht, entzieht sich einer allgemein gültigen Definition. Der Schweizer Raumplanungsverband EspaceSuisse hat als Arbeitshilfe für die Planenden 10 Aspekte identifiziert. Sind sie vorhanden, stehen die Chancen für eine hohe Qualität einer Siedlung gut.

Wie sieht die ideale verdichtete Siedlung aus?

Die 10 Aspekte der Siedlungsqualität gemäss EspaceSuisse:

  1. Ein erkennbares, belebtes Ortszentrum, wo man sich trifft (z.B. Begegnungszonen).
  2. Identität und Geschichte, die spürbar ist.
  3. Aussen-, Frei- und Grünräume, wo man durchatmen kann (z.B. Plätze und Pärke).
  4. Verkehrsberuhigte Räume, wo man sicher aneinander vorbei kommt (z.B. Tempo 30 oder Begegnungszonen).
  5. Nahversorgung, wo Alltagsgüter und -freuden erreichbar sind (z.B. Lebensmittel-Geschäfte, Apotheke, soziokulturelle Angebote).
  6. Baukultur und Ästhetik, die erlebbar ist.
  7. Bevölkerungsmix, wo unterschiedliche Menschen zusammen leben (z.B. Alt und Jung, In- und Ausländer).
  8. Nutzungsmix, wo Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Einkauf nahe sind (z.B. Arbeits- und Wohnraum).
  9. Immissionsarme Räume, wo weder Lärm noch Abgase stören.
  10. Fussgänger- und Veloinfrastruktur, die man gerne nutzt.
Nahversorgung in Bremgarten, Metzgerei
Nahversorgung in Bremgarten, Metzgerei, Foto EspaceSuisse

Vielfalt, Geborgenheit und Baukultur

Siedlungsqualität findet sich an Orten, «wo Begegnungen stattfinden können, wo Vielfalt vorhanden ist und gleichzeitig ein Gefühl der Vertrautheit entstehen kann». Siedlungsqualität sollte zudem «objektiven Kriterien der Raumordnung und der Nachhaltigkeit genügen, sie muss von der Bevölkerung als Qualität angenommen werden und als Produkt einer hochwertigen Baukultur geschätzt werden. Der Grad der Intensität hängt ab vom Siedlungstyp und der Art der Nutzungen.»

Obige Beschreibung stammt aus einer der beiden Syntheseberichte zum Nationalen Forschungsprogramm NFP 65. Sie umreisst dort in einer allgemeinen Form den Begriff «urbane Qualität».

Aus den verschiedenen Forschungsergebnissen lassen sich «generelle Qualitätsziele» ableiten:

  • Hohe Lebens und Wohnqualität,
  • lebendige Quartieridentität,
  • sinnvolle Nutzungsvielfalt (Nutzungsmix Wohnen, Arbeiten, Einkauf, Wege)
  • nutzbare öffentliche Freiräume mit städtebaulicher Qualität,
  • Berücksichtigung von Kriterien der Nachhaltigkeit,
  • Einhalten der Prinzipien der Innenentwicklung,
  • Erschliessungsqualität des Standortes,
  • qualifizierte städtebaulicharchitektonische Gestaltung (Baukultur),
  • subjektiv geäussertes Wohlbefinden der Nutzerinnen und Nutzer.

Diese generellen Qualitätsziele können bei der Innentwicklung und vor allem in Test- und Entwicklungsplanungen als Zielformulierungen dienen. Entscheidend ist, dass diese Ziele für jedes einzelne Vorhaben und Projekt auf die jeweilige ortsspezifische Situation heruntergebrochen und die lokalen Bedürfnisse ausgerichtet werden müssen.