Einkaufen und Spielen am Dorfplatz

Lupsingen verfügte lange über keinen wirklichen Dorfplatz. Zum täglichen Schwatz traf man sich im Milchhüsli bei der Gemeindeverwaltung, nahe des Spielplatzes und des Feuerwehrmagazins. Doch die Milchverkaufsstelle schloss und als später auch das Feuerwehrmagazin aufgegeben wurde, drohte der Ortskern zu verwaisen. Diese Leere wollte der Gemeinderat nicht hinnehmen: Er führte einen Wettbewerb für einen Dorfplatz durch, liess das Feuerwehrmagazin renovieren und erreichte, dass ein Volg-Laden darin einzog. Die Dynamik im Zentrum rief schliesslich eine Anwohnerin auf den Plan, die mit viel Herzblut den alten Spielplatz und Unterstützung der Bevölkerung modernisierte. Gross und Klein freut’s.
Rémy Rieder, Geograf und Raumplaner DAS ETHZ, bis Ende Januar bei EspaceSuisse

Ganz sicher ist sich Gemeindepräsidentin Sibylle Wanner nicht. Sie blättert nochmals durch ihre Unterlagen, auf der Suche nach der Antwort, was damals den Start der Entwicklung rund um den neuen Dorfplatz ausgelöst hatte. Dann holt sie aus: «Das Milchhüsli stand seit dem Jahr 2000 leer. Im gleichen Jahr wurde am Dorfrand auch das neue Schulhaus eingeweiht. Auch in etwa dieser Phase informierte der Kanton, dass die Hauptstrasse sanieret werde. Und zuletzt leerte sich auch noch das Feuerwehrmagazin, weil die Feuerwehr fusionierte. Doch den Ausschlag gab die alternde Bevölkerung und die Frage, ob die Gemeinde altersgerechten Wohnraum bereitstellen soll.» Am Ende entstand statt Wohnen für Betagte ein Dorfplatz für alle. Doch der Reihe nach.

 

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Sibylle Wanner begleitete als Gemeinderätin von Lupsingen BL die Umgestaltung des Dorfplatzes. Nach sieben Jahren im Gemeinde rat, davon knapp zwei als Gemeindepräsidentin, trat die Pflegfachfrau Ende Februar 2022 aus beruflichen Gründen zurück.
Foto: zvg Gemeinde Lupsingen

Lupsingen liegt im Oristal, rund sechs Kilometer südwestlich von Liestal BL. Den Ortseingang markieren das neue Schulhaus mit Kindergarten, südlich der Kantonsstrasse. 200 Meter weiter verschmälert sich die Strasse, führt vorbei am etwas sanierungsbedürftigen Heinigerhaus, und zwängt sich zwischen den Häuser Nummer 20 und 21 hindurch. Die Situation zeigt auf Anhieb: Hier beginnt der Dorfkern. Historische Bauten, viele davon sanft renoviert und sorgfältig modernisiert, säumen die Durchfahrtsachse, die Liestalerstrasse. Der Kern, das waren lange Zeit das alte Schulhaus mit Spielplatz, in welchem später der Kindergarten untergebracht war und das heute als Gemeindeverwaltung dient. Nebenan standen die kommunale Milchverkaufsstelle, genannt Milchhüsli, sowie das kommunale Feuerwehrmagazin. Dazwischen lag der «Dorfplatz», der einst als Pausenplatz diente und später mehr Parkplätze als Aufenthaltsqualität bot.

Der Ortskern von Lupsingen liegt an einer scharfen Kurve der Kantonsstrasse. Der Kanton Basellandschaft hat die Strasse 2014–2016 saniert.
Quelle: Swisstopo, eigene Darstellung

Das Leben verschwindet nach und nach

Die 1450 Lupsingerinnen und Lupsinger standen vor einigen Jahren vor ähnlichen Herausforderungen, wie sie aus manch anderen Gemeinde der Schweiz bekannt sind: Die Bevölkerung wurde älter, der Strukturwandel liess Dienstleister und Läden wegziehen, Treffpunkte und Begegnungsorte verschwanden, das öffentliche Leben kam langsam aber sicher zum Erliegen. Denn eine Bäckerei oder eine Metzgerei gab es vor Ort schon länger nicht mehr. Besser halten konnte sich das Milchhüsli. Während Jahrzehnten war es inoffizieller Treffpunkt im Dorf. Seine Türen schloss es im Jahr 2000, weil der Offenmilchverkauf in den Jahren zuvor stark zurückging. Im gleichen Jahr zog auch der Kindergarten aus dem alten Schulhaus in die neue Schulanlage am Dorfrand. Sein Spiel- und Pausenplatz, schon etwas in die Jahre gekommen, verwaiste. Und das nun ungenutzte Milchhüsli verlotterte.

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Das Gemeindehaus (links) mit dem Spielplatz (links), das Milchhüsli (in der Mitte, bei den Bäumen) und das Feuerwehrmagazin (rechts, mit Türmchen) vor der Sanierung ... Foto: Google Street View
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...und heute. Foto: R. Rieder

Altersgerechte Wohnungen vorsehen, …

Im Jahr 2006 gründete der Gemeinderat die Arbeitsgruppe (AG) Alter. Ziel war unter anderem ein Altersleitbild zu erstellen, denn in der Exekutive wuchs die Sorge, dass Lupsingen zu wenig passenden Wohnraum für die alternde Bevölkerung zu bieten hatte. Im Leitbild wurden daher Massnahmen festgelegt, wie den neuen Bedürfnissen einer alternden Gesellschaft besser Rechnung getragen werden kann. Die Einwohnergemeindeversammlung (Gemeindeversammlung) verabschiedete das «Altersleitbild Lupsingen» zwei Jahre später. Sie beauftragte damit den Gemeinderat, mitunter Ausschau zu halten nach geeigneten Grundstücken «zur Erstellung von altersgerechten Wohnungen».

Mit Unterstützung des ETH Wohnforums liess der Gemeinderat zunächst eine Bedarfsanalyse vornehmen. Welche Lupsingerin und welcher Lupsinger wäre überhaupt bereit, eine Alterswohnung zu beziehen? «Es stellte sich heraus, dass die Bevölkerung die Alterswohnungen begrüsste. Die Analyse zeigte allerdings auch, dass wir mit unserem Vorhaben noch zu früh dran waren», fasst die Gemeindepräsidentin zusammen. «Das Interesse an altersgerechtem Wohnraum war zwar da, aber viele bevorzugten es, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu wohnen.» Damit verlor die Bereitstellung entsprechender Wohnangebote an Dringlichkeit. Die Bedarfsanalyse hatte im Übrigen auch hervorgebracht, welche Parzellen für Alterswohnungen in Frage kämen. Mit dabei: die gemeindeeigenen Parzellen mit dem Heinigerhaus und mit dem Volg.

… den Detailhandel sichern, …

Volg stellt für die Lupsiger Bevölkerung seit langem den Zugang zu Waren des täglichen Bedarfs sicher. Der Laden ist Bäckerei, Metzgerei und Postagentur zugleich. Trotz seiner Bedeutung hatte auch er zu kämpfen. Seine Lage war lange nicht optimal (siehe auch «Im Interview»  weiter unten). Zwar befand er sich an der Liestalerstrasse, war von dieser aus aber nicht sichtbar. Die ungünstige Situation war der Gemeinde bekannt. «Wir hatten regelmässig Kontakt zu Volg und wussten um seine Zahlen», erinnert sich Sibylle Wanner. «Er kam so ‘häbchläb’ durch.»

Kurz vor dem Aus stand der Laden, als er wegen eines Bubenstreichs in Flammen aufgegangen war. Da Volg keinen Ersatzbau errichten wollte und Alternativstandorte fehlten, sprang die Gemeinde in die Bresche. Sie liess an derselben Stelle einen von der Gemeindeversammlung gutgeheissenen Modulbau errichten, den sie Volg zur Miete überliess. Dadurch erreichte sie, dass der Detaillist im Dorf blieb. Ausserdem liess sich die Holzkonstruktion unkompliziert zurückbauen, sollte das Grundstück dereinst für Alterswohnungen benötigt werden.

… und Chancen nutzen

Zu jener Zeit, 2008, war noch Stefan Vögtli Gemeindepräsident. Er erinnert sich gut, wie plötzlich Bewegung in die Alters- und Zentrumsplanung kam. «Der Kanton war damals Impulsgeber mit einem grossen Sanierungsprojekt für die Kantonsstrasse.» Das Projekt des Tiefbauamts Basel-Landschaft sah ursprünglich vor, die Strasse zu erneuern, die Trottoirs im Ortskern zu pflastern, die Bushaltestellen behindertengerecht zu gestalten und die enge Stelle an der Einfahrt zum Ortskern zu beseitigen. Doch das Projekt kam in Lupsingen nicht gut an. Die gepflasterten Trottoirs stiessen der älteren Bevölkerung sauer auf, und Volg befürchtete einen nicht verkraftbaren Umsatzrückgang wegen der langen Bauphase. Zudem wehrten sich auch Grundstückbesitzer gegen die Enteignungen, die für die Verbreiterung der Strasse erforderlich gewesen wären. Und die Gemeinde störte sich daran, dass der Verkehr im Ortskern beschleunigt werden sollte.

«Der Kanton war damals Impulsgeber mit einem grossen Sanierungsprojekt für die Kantonsstrasse.»
Stefan Vögtli, alt Gemeindepräsident

Das Projekt wurde schliesslich redimensioniert – nicht zuletzt auch aus ökonomischen Gründen seitens des Kantons. «Das gab uns den Ansporn, als Gemeinde darüber nachzudenken, was wir mit unseren Arealen anstellen möchten», so alt Gemeindepräsident Stefan Vögtli. Eine Zukunftswerkstatt mit der Bevölkerung förderte 2013 klare Voten zutage: keine Beschleunigung des Verkehrs im Ortskern, keine Verbreiterung der Liestalerstrasse. Lieber sollte der Dorfkern belebt, der Dorfladen gesichert und ein Dorfplatz erstellt werden. Auch das Thema Wohnen im Alter erhielt Aufwind. So gesellte sich zur AG Alter die AG Zentrumsliegenschaften, die sich ab 2014 mit der Entwicklung von altersgerechtem Wohnraum im Dorfzentrum befasste. In diese Zeit fiel nach einer emotionalen Gemeindeversammlung auch der Entschluss, das Milchhüsli neben dem Gemeindehaus zurückzubauen. Kein Nutzen hätte die aufzuwendenden Kosten gerechtfertigt. Die mangelhafte Statik des Gebäudes liess es nicht zu, es ohne sichernde Massnahmen stehen zu lassen. Dieser Rückbau markierte den ersten Schritt in Richtung neuen und erweiterten Dorfplatz.

2015 ermächtigte die Gemeindeversammlung den Gemeinderat, zwei Baulandparzellen zu erwerben, die sich ideal für den Bau von Alterswohnungen eignen. Deren Eigentümer hatten sich durch das Wirken der AG Alter bestärkt gefühlt, ihre Grundstücke der Gemeinde zum Verkauf anzubieten. Idealerweise stiessen die zwei Parzellen direkt an die gemeindeeigenen Parzellen mit dem Volg-Laden und dem Heinigerhauses. Für das nunmehr arrondierte Areal liess der Gemeinderat das Planungs- und Ingenieurbüro Arco Plus AG mehrere Varianten für dessen künftige Nutzung erarbeiten. Der Kern der Variante, die alle Beteiligten überzeugte: Volg an den neu zu gestaltenden Dorfplatz verschieben, das alte Heinigerhaus instandsetzen und auf den nun zusammenhängenden kommunalen Grundstücken nach Bedarf zeitgemässe und attraktive Alterswohnräume entwickeln. Das sah auch die Gemeindeversammlung so und stimmte im Juni 2016 für die Umsetzung des Projekts «Dorfladen am Dorfplatz». Der Startschuss für die Sanierung des Dorfplatzes war gefallen.

Das Projekt Zentrumsliegenschaften will das Heinigerhaus (unten in beiden Ausschnitten oben links) sanieren und auf den benachbarten Parzellen (unten im rechten Ausschnitt) altersgerechten Wohnraum erstellen – sobald die Zeit reif dafür ist.

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Situation heute mit Heinigerhaus Nr. 24, Laden Nr. 24a, EFH Nr. 30
Quelle: arco plus AG, zvg Gemeindeverwaltung Lupsingen
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Konzeptstudie Variante 3 mit saniertem Heinigerhaus und 2 neuen MFH.
Quelle: arco plus AG, zvg Gemeindeverwaltung Lupsingen
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Der Spielplatz war in die Jahre gekommen und nicht mehr sicher.
Foto: Elian Wüthrich
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Der Abbruch des Milchhüslis, das jahrelang als inoffizieller Begegnungsort des Dorfes diente, markierte die erste grosse Veränderung hin zum neuen Dorfplatz. Foto: zvg Gemeindeverwaltung Lupsingen
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Die Feuerwehr ging, ihr denkmalgeschütztes Magazin blieb – eine grosse Chance für die Gemeinde. Foto: zvg Gemeinde Lupsingen
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Spielend planen: Kinder und Eltern konnten den neuen Spielplatz im Rahmen eines Postenlaufs mitgestalten. Foto: Elian Wüthrich

Feuerwehr raus, Dorfladen rein

Zwischenzeitlich hatte auch das kantonale Tiefbauamt ganze Arbeit geleistet und die Liestalerstrasse 2014 bis 2016 komplett saniert – in zwei Etappen, um die Belastung für Bevölkerung und Gewerbe zu reduzieren. Der frühe Abschluss dieser Arbeiten ermöglichte es der Gemeinde, nahtlos rund um den Dorfplatz fortzufahren. Vor Jahresende war der neue Dorfplatz Tatsache. Bänke und von der Bevölkerung gestiftete Bäume luden nun zwar zum Verweilen ein. Aber noch fehlte es an Leben. Auch dieses kam in zwei Etappen, zweimal unverhoffter als erwartet.

Schon länger bekundete die kommunale Feuerwehr Mühe, Nachwuchs zu finden. Gleiches berichteten die umliegenden Gemeinden. Mit fünf weiteren Gemeinden schloss sich Lupsingen 2017 zu einem Feuerwehr-Zweckverband zusammen. Dieser hatte keine Verwendung für das Lupsinger Feuerwehrmagazin. So stand ab 2018 wider Erwarten eine ortsbildprägende und denkmalgeschützte Liegenschaft der Gemeinde ungenutzt am neuen Dorfplatz. Der Gemeinderat liess nichts anbrennen. Sich auf die Variantenstudie von 2016 stützend, klärte er die Nutzungsbeschränkungen in der Zone für öffentliche Werke und Anlagen (OeWA) ab. Im Austausch mit der Feuerwehr, der Volg Konsumwaren AG, der Marktkommission und den Anstössern ermittelte er zudem die unterschiedlichen Interessen. Um vorwärts zu kommen, zog er die Umzonung des Magazins aus der OeWA in eine Kernzone der angelaufenen Gesamtrevision der Ortsplanung vor.

Schliesslich liess der Gemeinderat im Austausch mit der kantonalen Denkmalpflege ein Vorprojekt für den Umbau des Magazins erarbeiten. Es zeigte auf, dass das alte Gebäude als Ladenlokal genutzt und der geschützte Glockenturm sowie das Dach mit seinen Biberschwanzziegeln erhalten werden konnten. Damit standen dem Umzug von Volg an den Dorfplatz nichts im Wege. Das letzte Wort hatte aber die Bevölkerung – und diese stimmte dem Projekt im März 2018 überdeutlich zu. Die feierliche Einweihung des neuen Dorfladens ein Jahr später zeigte bereits: Die Belebung des Dorfplatzes war gelungen.

Der Spielplatz bietet Spielgerät für Kinder, Sitzgelegenheiten für Eltern und Nistplätze für Schwalben. Plan: Rudolf Spielplatz AG, zvg Gemeindeverwaltung Lupsingen

Der Spielplatz wird erneuert

Auch Elian Wüthrich gefiel der umgestaltete Dorfplatz, den sie regelmässig mit ihren Kleinen querte. Doch sie machte im ehemaligen Pausen- und Spielplatz grosses Potenzial aus – auch, weil die wenigen Spielgeräte in die Jahre gekommen waren und ersetzt werden mussten. «Uns bot sich die Möglichkeit, einen tollen neuen Spielplatz und einen Begegnungsort für alle Generationen entstehen zu lassen.», erinnert sich die engagierte Grafikerin und Marketingfachfrau an ihre Vision. Daher kontaktierte sie den Gemeinderat, der ihr Engagement gerne annahm.

«Uns bot sich die Möglichkeit, einen tollen Spielplatz und einen Begegnungsort für alle Generationen entstehen zu lassen.»
Elian Wüthrich, Bürgerin

Er rief Mitte 2018 die AG Dorfspielplatz Lupsingen ins Leben, die aus einem Gemeinderat, einem Gemeindearbeiter und Eltern bestand und den Spielplatz neu gestalten sollte. Die AG definierte zunächst in einem Konzept, dass naturnahe Materialien zu verwenden und pädagogisch wertvolle Spielgeräte zu installieren waren. Die Gestaltung sollte ausserdem auf jedes Alter ausgerichtet und der Übergang zum Dorfplatz durchdacht sein. Dann wurden mehrere Spielplatzbauer eingeladen, Vorschläge für die Neugestaltung einzureichen. An einem gut besuchten Freiluftanlass durften sich Kinder und Erwachsene an einem Postenlauf zum überzeugendsten Projekt der Rudolf Spielplatz AG äussern.

Die hohe Zustimmung zeigte sich auch bei der Finanzierung. Per Talon startete die Arbeitsgruppe einen Spendenaufruf für die Arbeiten am neuen Spielplatz. Das funktionierte bestens: Zwei Drittel der Gesamtkosten, rund 100'000 Franken, kamen durch Spenden aus der Bevölkerung und von Unternehmen, des Swisslos-Fond Baselland und der Bürgergemeinde zusammen. Den Rest steuerte die Gemeinde bei. Der Vollständigkeit halber: Im September 2019 stimmte die Gemeindeversammlung der Erneuerung und Finanzierung deutlich zu. Der nunmehr attraktive und zeitgemässe Spielplatz wird seit der Eröffnung im Sommer 2020 rege besucht und zieht gar Leute aus den Nachbarsdörfer an. «Der Spielplatz macht heute alle Lupsigerinnen und Lupsinger stolz», ist Stefan Vögtli überzeugt. «Er ist das Sahnehäubchen des Dorfplatzes und belebt ihn wirklich sehr. Den Initiantinnen und Initianten gebührt grosser Dank!»

Eindrücke vom fröhlichen Eröffnungsfest des neuen Spielplatzes mitten in Lupsingen. Fotomontage: Elian Wüthrich

Im Interview mit Mario Frey

«Der Volg ist ein Teil des aktiven Dorflebens»
Mario Frey, Bereichsleiter Verkauf West bei Volg
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Mario Frey arbeitet seit sechs Jahren als Bereichsleiter Verkauf West bei Volg. Er verantwortet, gemeinsam mit den jeweiligen Laden- und Verkaufsleiterinnen und -leitern, die Betreuung und Bewirtschaftung der 90 Volg-Läden im Mittelland.
Foto: zvg Volg Konsumwaren AG

Mario Frey, der Volg in Lupsingen befindet sich in einem denkmalgeschützten Feuerwehrmagazin – ist das etwa der aussergewöhnlichste Volg-Standort in der Schweiz?

Unsere Läden sind alle auf ihre Weise speziell. Wir sind Mieter, keine Eigentümer. Das heisst, wir bauen keine eigenen Läden, sondern mieten uns in bestehende Liegenschaften ein. Unsere Vermieter können Gemeinden sein, meist sind es aber private Liegenschaftsbesitzer. Die Grundrisse deren Liegenschaften sind immer sehr individuell. Deshalb besitzen wir ein flexibles Ladenkonzept. Jeder Volg sieht anders aus.

Warum sind Sie hier in Lupsingen und nicht zum Beispiel im Nachbarsdorf Seltisberg?

Zu strategischen Fragen können wir uns nicht äussern. Grundsätzlich sind wir aber allen Standorten gegenüber offen. Oft erhalten wir Anfragen von Gemeindeverwaltungen oder Liegenschaftsbesitzern. In solchen Fällen prüfen wir mit einer detaillierten Standortanalyse, ob in der Gemeinde das Potenzial für einen Volg gegeben ist. Wenn die Analyse positiv ausfällt, erarbeiten der Vermieter und Volg ein Grobprojekt aus. In der Regel nehmen wir im Zusammenhang mit dem Bauprojekt auch mit der Gemeinde Kontakt auf.

Bevor der Volg am Dorfplatz einzog, stand der Laden etwas abseits – trotzdem ein guter Standort?

Die Lage ist für uns entscheidend. Leider befand sich der alte Volg-Standort in Lupsingen an einer Nebenstrasse und nicht an einer gut frequentierten Hauptstrasse. Das war nicht ideal. Die Kundenfrequenz war eher tief.

Dann hatten Sie auch noch Pech: Der alte Laden brannte ab. Ein Neubau kam nicht in Frage. Weshalb?

Wir bauen wie erwähnt keine eigenen Läden, sondern mieten uns stets in Gebäude ein. Nach dem Brand haben wir eine schnelle Lösung gesucht. Die Gemeinde liess deshalb am selben Standort eine Holzmodulkonstruktion errichten, die sie uns zur Verfügung stellte. Darin konnten wir den Laden neu einrichten.

Dachte Volg darüber nach, den Standort Lupsingen aufzugeben?

Nein, zu keinem Zeitpunkt. Es entspricht unserer Grundhaltung, langjährige Partnerschaften einzugehen. In diesem Fall ist es gemeinsam mit der Gemeinde sehr gut gelungen, eine Lösung zu finden: Die Holzmodulkonstruktion stand zwar nach wie vor etwas abseits. Wir tauschten uns daher wiederholt mit der Gemeinde aus, um alternative Standorte zu prüfen. Als das Feuerwehrmagazin schliesslich nicht mehr genutzt wurde, kam die Idee auf, den Laden dort einzurichten. Bei dieser Gelegenheit konnten wir unsere Musskriterien für den Dorfladen einbringen.

«Wir tauschten uns wiederholt mit der Gemeinde aus, um alternative Standorte zu prüfen.»
Mario Frey, Bereichsleiter Verkauf West bei Volg

Welche Voraussetzungen müssen denn Gemeinden erfüllen, um für einen Detaillisten wie Volg attraktiv zu sein?

Grundsätzlich prüfen wir sämtliche Anfragen und analysieren, ob am betreffenden Standort das Potenzial für einen Volg vorhanden ist. Die Kriterien, die zur Anwendung kommen, sind vielfältig und umfassen Faktoren wie beispielsweise Einwohnerzahl, Kaufkraft, Konkurrenzsituation, Lage des Ladenlokals, Grundriss und Einteilung der Flächen, Anliefersituation sowie Frequenz. Erfüllen diese Kriterien die Anforderungen, eröffnen wir gerne einen Volg in diesem Dorf. Genaue Zahlen veröffentlichen wir aber grundsätzlich nicht.

Heute ist der Laden also in einer denkmalgeschützten Liegenschaft untergebracht. Worin sahen Sie die Chance für Volg?

Der neue Volg-Standort ist mitten im Dorf, dort, wo die Menschen wohnen. Der Dorfplatz mit dem Spielplatz ist heute ein attraktiver Treffpunkt in der Gemeinde, und wir freuen uns sehr, so nahe bei den Einwohnerinnen und Einwohnern zu sein.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Gemeinde?

Für uns ist diese Nähe bei den Menschen wichtig. Nebst vielen anderen Faktoren steigern sicher auch die Parkplätze direkt vor dem Laden die Attraktivität des Standorts.

Im Rückblick: Was freut Sie am meisten, wenn Sie den Volg heute am Dorfplatz sehen?

Ich freue mich sehr, dass der Volg von den Kundinnen und Kunden als nahe Einkaufsgelegenheit geschätzt und rege genutzt wird. Wir befinden uns direkt am Dorfplatz und sind damit ein Teil des aktiven Dorflebens und des Dorfbildes – auch das freut mich jedes Mal, wenn ich nach Lupsingen komme.

Der neue Dorfladen im Zentrum ist ein Gewinn für die Bevölkerung, für das Ortsbild und die Gemeinde – sowie nicht zuletzt für Detaihändller Volg selbst.
Foto: Rémy Rieder
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Mit einem Modulbau sicherte die Gemeinde den Fortbestand des Detailhändler im Dorf. Foto: Rémy Rieder
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Das geschützte Glockentürmchen des Feuerwehrmagazins wurde erhalten.
Foto: Rémy Rieder
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Gut sichtbar und mit einigen Parkplätzen vor dem Laden: So stimmten auch die Zahlen bald. Foto: Rémy Rieder

 

Interview: Rémy Rieder

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